2025
Die digitale Verwaltung ist die zwingende Voraussetzung für einen funktionsfähigen Staat

Diskussionsrunde zum Thema „Digitales Update für die Verwaltung. Für einen funktionsfähigen Staat“ mit (v.l.n.r.: Christin Kiessling (Geschäftsführerin STACKIT Go2Market), Prof. Dr. Robert Müller-Török (Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, Mitglied des Digitalrats in München), Daniel Karrais MdL, Digitalpolitischer Sprecher der FDP/DVP-Fraktion und Marc Danneberg (Leiter Public Sector Bitkom e.V.)) Foto: Joachim Kiessling
Karrais: Die digitale Verwaltung ist die zwingende Voraussetzung für einen funktionsfähigen Staat
Dem Land droht der Verwaltungskollaps. Wir zeigen, wie ein Digitales Update funktioniert.
Zahlreiche Experten aus der IT-Branche, der Verwaltung sowie Interessierte folgten am Freitag (11. April) der Einladung des digitalpolitischen Sprechers der FDP/DVP-Fraktion, Daniel Karrais, nach Stuttgart, um gemeinsam mit
Christin Kiessling (Geschäftsführerin STACKIT Go2Market),
Marc Danneberg (Leiter Public Sector Bitkom e.V.) und
Prof. Dr. Robert Müller-Török (Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, Mitglied des Digitalrats in München)
die Herausforderungen und Wege der digitalen Verwaltung von morgen zu diskutieren.
Daniel Karrais eröffnete die Diskussion: „Die Digitalisierung der Verwaltung ist nicht nur eine schöne moderne Idee, sondern gemeinsam mit konsequentem Bürokratieabbau eine zwingende Voraussetzung, um die Funktionsfähigkeit des Staates von morgen aufrechtzuerhalten.“ Der digitalpolitische Sprecher gab zu bedenken, dass in Baden-Württemberg die Uhr bereits auf kurz vor zwölf stehe: „Mehr Aufgaben bei weniger Personal und ohne Aussicht auf automatisierungsfähige Digitalisierung der Prozesse führen unweigerlich zu einem Verwaltungskollaps und damit zum Versagen des Staates. Dies bremst nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft aus, es leidet das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates und damit in unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Das sehen wir ganz aktuell. Viele Bürger haben das Gefühl, der Staat funktioniere nicht mehr richtig.“
Christin Kiessling meinte: „Deutschland ist digital massiv abhängig vom Ausland, was in der aktuellen geopolitischen Lage höchst riskant ist. Wir müssen die digitale Souveränität in die eigene Hand nehmen und Souveränität gesamtheitlich denken. Digitale und physische Infrastrukturen lassen sich nicht voneinander trennen. All das muss auf Basis einer souveränen Cloud Infrastruktur und im Umfeld starker Partnerschaften erfolgen. Es braucht starke Ökosysteme und Wissensaustausch. Wir müssen das Rad nicht immer neu erfinden, sondern wir müssen den Austausch zwischen öffentlicher Verwaltung und der Privatwirtschaft intensivieren. Es braucht flächendeckende Lösungen, die auf souveräner Basis eingesetzt werden. Dafür braucht es den Staat als Ankerkunden. Er muss vorangehen und zeigen, dass man Vertrauen in deutsche und europäische Lösungen hat.“
Eine klare Vorstellung von der Verwaltung der Zukunft hatte auch Marc Danneberg: „Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern und weltweit sind wir im Bereich digitale Verwaltung wohlwollend gesagt im schlechten Mittelfeld. Eigentlich müssten nach dem Onlinezugangsgesetz seit Ende 2022 alle Verwaltungsleistungen digital angeboten werden. Davon sind wir leider noch weit entfernt, was genau genommen bedeutet, dass sich ein Großteil der deutschen Behörden nicht rechtskonform verhält. Eine große Herausforderung ist dabei unsere föderale Struktur. Eine zukunftsfähige und resiliente Verwaltung ist proaktiv, transparent und teilautomatisiert. Sie sollte klar kommunizieren, welche Schritte online erledigt werden müssen, damit entsprechende Zahlungen und Unterstützungen bereitgestellt werden können. Bürger müssen nachvollziehen können, wie weit Verwaltungsprozesse fortgeschritten sind.“
Prof. Dr. Müller-Török zeigte eindrücklich auf, wie die deutsche Verwaltung in einer zunehmend digitalisierten Welt hinterherhinkt: „Es braucht ein einziges, zentrales Verwaltungsportal und nicht zahlreiche Insellösungen. Darüber hinaus klemmt es an der digitalen Bildung. Nimmt man die Modulhandbücher deutscher Verwaltungshochschulen zur Hand, so sieht man nur wenig Anteil der Digitalisierungsfächer. An den Verwaltungshochschulen in Baden-Württemberg beispielsweise stehen im Grundstudium Public Management ca. 40 Stunden Informatik vergleichsweise 100 Stunden Zivilrecht bzw. 80 Stunden ‚Psychologie, Soziologie und soziale Kompetenzen‘ gegenüber. Wir können mit Kleinigkeiten schon auf Landesebene viel erreichen, wenn wir die Basisinfrastruktur schaffen. Dazu gehört zum Beispiel eine digitale Chipkarte als Ausweis für Landesbeamte.“
Daniel Karrais forderte schließlich eine Verwaltungsreform für Baden-Württemberg, mit dem Ziel die zahlreichen Mehrfachstrukturen abzubauen und eine schlanke, aber dafür umso schlagkräftigere Verwaltung zu bilden: „In Kompetenzzentren müssen wir Know-How bündeln und damit die Qualität und Zuverlässigkeit der Verwaltung verbessern. Dies entspannt zudem die Personalsituation und sorgt für eine Erleichterung und Beschleunigung bei der Bewältigung von Aufgaben. Diese Reform ist ein notwendiger Schritt, um die Leistungsfähigkeit des Staates auch in Zukunft aufrechtzuerhalten und spürbar zu verbessern.“
© 2025 | Foto: Joachim Kiessling
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Innovationsstandort 2030 - Sind wir zukunftsfähig?
28/03/25 14:57 Kategorie: Wirtschaft
Schaffen, nicht schwätzen, einfach machen Bericht zum Impulsvortrag von Prof. Dr. Katharina Hölzle: "Innovationsstandort 2030 – Nachhaltige Technologien, globale Chancen"
Ludwigsburg, 27. März 2025 – Unter dem Titel „Innovationsstandort 2030 – Nachhaltige Technologien, globale Chancen" beleuchtete Prof. Dr. Katharina Hölzle, Technologiebeauftragte der Wirtschaftsministerin Baden-Württembergs, in einem Impulsvortrag in Ludwigsburg die zukünftige Ausrichtung des Innovationsstandorts Baden-Württemberg. Die Veranstaltung, organisiert von der Reinhold-Maier-Stiftung in Kooperation mit den Wirtschaftsjunioren Baden-Württemberg e.V., zog zahlreiche Interessierte an.
In ihrer Rede skizzierte Prof. Hölzle zunächst die ambivalente Wahrnehmung von Innovation in der heutigen Gesellschaft. Während der Begriff traditionell positiv besetzt sei, beobachte sie eine zunehmende Skepsis und Zukunftsangst angesichts der rasanten Veränderungen. Trotz gegenwärtiger Herausforderungen wie einer leichten Rezession, steigender Arbeitslosigkeit und einer veränderten globalen Lage, betonte Prof. Hölzle ihren grundsätzlichen Optimismus hinsichtlich der Innovationskraft Baden-Württembergs.
Sie unterstrich, dass das bisherige Geschäftsmodell Deutschlands nicht mehr in seiner alten Form existiere. Angesichts globaler Verschiebungen und protektionistischer Tendenzen, wie den jüngst verkündeten Zöllen auf die Automobilindustrie, müsse sich Baden-Württemberg neu positionieren. Trotz aktueller Sorgen in den Unternehmen, insbesondere in Bezug auf Energie, Bürokratie und Agilität, hob Prof. Hölzle die Stärken des Standorts hervor: einen starken Mittelstand, hohe Innovationskraft und intensive Forschung und Entwicklung.
Um diese Stärken zukünftig erfolgreich zu nutzen und den Herausforderungen zu begegnen, präsentierte Prof. Hölzle vier zentrale "Zutaten" für eine neue Innovationskultur:
- Zukunftsfähigkeit (Futures Literacy): Es brauche einen Kulturwandel hin zu mehr Experimentierfreude und Risikobereitschaft. Dazu sei es notwendig, die Fähigkeit zum zukunftsorientierten Denken und Handeln in der Gesellschaft, der Politik und den Unternehmen zu stärken. Das Bildungssystem müsse angepasst werden, um Menschen zu fördern, die "außerhalb der Kästchen" denken können.
- Wissenstransfer: Der Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung und in Gründungen müsse deutlich verbessert werden. Das „deutsche Paradox“ von viel Forschung und wenig Umsetzung gelte es zu überwinden.
- Zusammenspiel der Akteure (Innovationsökosysteme): Eine enge Kollaboration zwischen Wirtschaft, Politik und einer zukunftsorientierten Gesellschaft sei entscheidend. Bestehende regionale Innovationsökosysteme müssten besser vernetzt und zum „Spielen“ miteinander gebracht werden, um ihre volle Wirkung zu entfalten.
- Partizipation: Die Gesellschaft müsse aktiv in die Entwicklung neuer Technologien eingebunden werden, um sicherzustellen, dass diese den gesellschaftlichen Wünschen und Werten entsprechen. Das Fraunhofer IAO zeige hier mit seinen „KI-Studios“ und mobilen "KI-Bussen" erfolgreiche Ansätze, um Technologie erlebbar zu machen und den Dialog zu fördern.
Sie lud die Anwesenden herzlich zu einer kostenlosen Veranstaltung am 8. Mai ein, bei der zahlreiche Aussteller innovative Lösungen präsentieren und "Lust auf Zukunft" machen werden. Der Impulsvortrag von Prof. Hölzle lieferte somit wichtige Denkanstöße und eine optimistische Perspektive für die zukünftige Entwicklung des Innovationsstandorts Baden-Württemberg.
Im Anschluß diskutierten Prof. Dr. Stephan Seiter, Ökonom, mit Professur an der ESB Business School und Dominik Wahl, Geschäftsführender Gesellschafter der WRS Energie + Druckluft GmbH sowie Prof. Dr. Katharina Hölzle, Leiterin des Fraunhofer IAO und IAT der Universität Stuttgart über das Thema. Fotos: Kiessling